Wieder in Gottesgab
Das Jahr 1901 sollte eine bewegtes Jahr für Anton Günther werden. Man bot ihm
eine Lithographenstelle in Aarhus (Dänemark) an, doch er entschloss
sich nach
längerem Überlegen zum Bleiben. Seine Selbstlosigkeit gegenüber der Familie
und seine Liebe zur Heimat bewirkten diesen Entschluss. Aus den Gedanken und
Gefühlen
dieser Zeit heraus entstand auch das Lied "Mei Vaterhaus". Im Herbst weilte Vater
Günther bei seinen vier in Prag lebenden Kindern. Wenige Wochen darauf
verstarb er. Der
25-jährige Anton fühlte sich an Vaters Stelle für alles verantwortlich und
kehrte
nach 6 Jahren in Prag ins Elternhaus zurück.
Fast aussichtslos ist es, hier oben die Familie von den Erträgen der kleinen
Landwirtschaft
zu ernähren. So erwies sich der Liedpostkartenverkauf als willkommener
Nebenverdienst.
Er hatte Kontakte zum Erzgebirgsverein und anderen Vereinigungen geknüpft
und er wurde
zu vielen Veranstaltungen auch über das Erzgebirge hinaus eingeladen. Tritt
der
Heimatsänger auf, so trägt er stets seinen schlichten Lodenanzug. Sein Vortrag
wirkt frisch, einfach und erzählend-niemals rührselig oder sentimental.
1906 und 1907 wurde ihm die Ehre zuteil, vor seiner Sr. Majestät dem König
Friedrich
August von Sachsen auf dem Fichtelberg singen zu dürfen. 1908 erfreute er
Seine k.u.k.
Hoheit Erzherzog Karl Franz Josef auf dem Keilberg mit seinen Liedern.
Als alle Geschwister
versorgt waren, heiratete er 1908 die Zimmermannstochter Marie Zettl aus
Gottesgab.
Bald tummelten sich die Kinder Erwin, Maria und Irmgard in dem von den Eltern
erworbenen Häuschen.
Die Entwicklung des Wintersportes und des aufkommenden Fremdenverkehrs
brachte es mit sich, daß Anton Günther in Gaststätten, vor Vereinen, vor Freunden und Einheimischen
sang. Schulklassen suchten ihn daheim auf, um ein Lied zu hören oder selbst
vorzusingen. Im Jahre 1911 gründete Anton Günther eine Stiftung, die zur Unterstützung
armer, alter und kranker Leute in seinem Heimatort diente. Zu Ehren seines
Vaters des "Tolerhans " nannte er sie Toler-Hans-Tonl-Stiftung.
Zu den bekanntesten Liedern, die bis zu dieser Zeit entstanden, gehören:"Schneeschuhfahrermarsch", "Deitsch on frei
woll'n mer sei", "Wu de Walder hamlich rauschn", "Mei
Grußmütterla" und "Vergaß dei Hamit net".
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